Laut Peter Zimmermann bedeutet Bindung, die menschliche Neigung, lange, starke und emotionale Beziehungen einzugehen und aufrechtzuerhalten. Die Art dieser Beziehungen haben dann langfristige Konsequenzen für die Persönlichkeit und beeinflussen den Verlauf des späteren Lebens. Die Beziehung zu sogenannten Bindungs- und Bezugspersonen, wie z. B. die Eltern und Erziehungsberechtigten, ist dabei besonders wichtig, da Sie meist die erste und stärkste Bindung ist, die ein Kind erlebt.
Durch die Art der Bindung entwickelt sich ein sogenanntes Bindungsverhalten, welches sich in Zeiten von starker emotionaler Belastung zeigt. Es wird zum Beispiel die Nähe zu den Bindungspersonen gesucht, da sie als kompetenter und emotionale stärker wahrgenommen werden. Im 1. Lebensjahr zeigt sich das Bindungsverhalten primär durch den Wunsch nach körperlicher Nähe. Das Bedürfnis entwickelt sich dann weg von der physischen Nähe hin zur psychischen. Die psychische Nähe zielt auf die Suche nach Verständnis ab, die ältere Kinder/Jugendliche/Erwachsene mehr brauchen und nicht mehr die Hilfe bei der Regulation von Emotionen, wie sie kleine Kinder brauchen.
Bindung unterstützt also bei der Emotionsregulation. Kinder können das am Anfang nicht alleine. Sie sind weder in der Lage ihre Gefühle richtig zu zuordnen, noch können sie damit adäquat umgehen, das müssen sie erst alles noch lernen. Diese Regulation betrifft am Anfang primär besonders negative Gefühle wie zum Beispiel Unsicherheiten, aber auch sonstige intensive Gefühle, die nicht alleine zu bewältigen sind. In solchen Zeiten brauchen besonders Kinder Unterstützung von ihren Bindungspersonen.
Es gibt 4 verschiedene Arten der Bindung:
1. Sichere Bindung
Bei der sicheren Bindung suchen Kinder aktiv nach emotionaler Unterstützung und Verständnis,
wenn es ihnen nicht gut geht. Da sie wissen, dass sie auf eine effektive soziale Emotionsregulation treffen werden.
Sie wissen aus ihren Vorerfahrungen, dass ihre Bindungsperson feinfühlig und verständnisvoll auf sie reagiert
und haben deshalb Vertrauen in ihre Bezugsperson. Sie entwickeln sich in der Zukunft selbstständig
und finden eine gute Balance zwischen Bindung und Exploration.
Exploration meint hier, wie sehr ein Kind bereit dazu ist, die Welt zu erkunden, was passiert, wenn ein Kind nicht emotional belastet ist.
- Exploration meint hier, wie sehr ein Kind bereit dazu ist, die Welt zu erkunden, was passiert, wenn ein Kind nicht emotional belastet ist.
2. Unsichere-vermeidende Bindung
Bei der unsicheren, vermeidende Bindung drückt das Kind seine Emotionen nicht gegenüber seiner Bezugsperson aus,
sondern vermeidet sie. Das Kind versucht sich selber zu regulieren, allerdings nicht sehr effektiv,
was es zu einer starken Belastung macht. Auf das Kind wird mit Zurückweisung und Abwertung reagiert,
wenn es sein Emotionen zeigt, und wird seine Zukunft mit einer ineffektiven Emotionsregulation bestreiten müssen,
bzw. wird versuchen sich möglichst wenig mit seinen Gefühlen auseinandersetzten zu müssen.
Ein bekanntes Beispiel für die Folgen dieses Bindungsstil ist James Bond, Batman oder BBC Sherlock Holmes.
Sie alle vermeiden die Auseinandersetzung mit ihren Emotionen, wahren emotionale Distanz und tuen sich mit engen Beziehungen schwer.
3. Unsicher-ambivalente Bindung
Bei der unsicheren ambivalente Bindung erlebt das Kind unvorhersehbares Verhalten der Bezugsperson
und kann somit weder mit effektiver noch mit ineffektiver Bindung rechnen.
Das führt dazu, dass das Kind sozial nicht mehr regulierbar wird, also auch gut gemeinte Trostversuche durch
z. B. Körperkontakt sind erfolglos. Diese Kinder werden in der Zukunft alles dafür tun, ihre Gefühle nicht zu zeigen,
da sie nicht davon ausgehen, dass sie von anderen Personen unterstützt werden können.
Ein schönes Charakter-Beispiel für diesen Bindungstyp ist hier Ross Geller aus der TV-Serie „Friends“.
Er hat den Wunsch nach emotionaler Nähe, aber ist sehr schnell enttäuscht, da seine Erwartungen nicht erfüllt werden.
4. Desorganisierte Bindung
Bei der desorganisierten Bindung erkennt man einen klaren Verantwortungswechsel.
Diese Kinder kümmern sich meist mehr um ihre Eltern als die Eltern um sie.
Sie sind sehr kontrollierend Erwachsenen gegenüber und haben keine klare Bindungsverhaltensstruktur.
Chandler Bing, ebenfalls aus Friends zeigt ein desorganisiertes Bindungsverhalten.
Er hat Probleme damit, seine Bedürfnisse in Einklang zu bringen und somit neue Beziehungen einzugehen.
Wichtig ist: Bindung ist ein langer Prozess, die sich aus vielen kleinen Taten aufbaut. Sie brauchen keine Angst zu haben, dass die Beziehung zu ihrem Kind zerstört ist, weil sie einmal etwas knapper antworten mussten, weil es in der Situation nicht anders möglich war. Das Wichtigste ist, dass feinfühlig auf die Kinder eingegangen wird und ihre Bedürfnisse wahrgenommen werden. Offene Kommunikation und auch mal ehrliches Entschuldigen ist dafür essenziell.
Warum ist Bindung denn jetzt so wichtig?
Durch Bindung ein effektiver und ehrlicher Umgang mit Emotionen gelehrt.
Die Kinder bekommen Handlungsstrategien an die Hand gegeben und lernen Ablaufschematiken von effektiver Regulation.
Dazu konstruieren sie Erwartungsmodelle, die sie auf andere Menschen anwenden können.
Denn auch als Erwachsener braucht man manchmal Hilfe von anderen Personen, um sich zu regulieren.
Diese Erwartungsmodelle, die auf den Vor-Erfahrungen aus der Kindheit basieren,
können helfen, die richtigen Personen rauszusuchen, die helfen können/wollen.
Auch im schulischen Kontext ist das Bindungsverhalten von zuhaue wichtig sein.
Kinder mit sicherer Bindung trauen sich schneller nach Hilfe zu fragen, Fragen zu stellen und gehen besser mit Misserfolgen um.
Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Was hat Musik mit all diesen Dingen zu tun?
Musik kann als Bindungsglied zwischen Bezugsperson und Kind fungieren.
Wie Sie auch noch ausführlicher auf Seite 2: Musik und Kleinkinder (persönliche Bindung) lesen können,
kann Musik helfen, Gefühle und Emotionen auszudrücken, für die man keine Worte finden kann.
Auch schon bevor Kinder sprechen können oder einen ausgeprägten Wortschatz haben, kann Musik gehört und aufgenommen werden.
Ruhige oder auch naturelle Musik wie Vogelzwitschern und sonstige Naturgeräusche, hat eine beruhigende Wirkung auf viele Kinder (Was aber bei jedem Kind unterschiedlich sein kann. Da muss man die beste Lösung manchmal etwas suchen).
Gemeinsame Projekte und Hobbys fördern die Beziehung ebenfalls und gemeinsames musizieren kann wunderschöne Kernerinnerungen darstellen. Dazu fördert das gemeinsame Üben von einem schönen Stück auch den Dialog zwischen Bindungsperson und dem Kind und eröffnet viele Kommunikationsmöglichkeiten.
Wie können Sie Musik nutzen, um die Bindung zu ihrem Kind zu verbessern?
Sie können:
- Musikalische Spiele gemeinsam spielen
- Singen, Tanzen, Rythmikspiele
- Stopptanz, Ballontanz, Zeitungstanz
- Ihrem Kind Raum für musikalischen Ausdruck geben
- Durch Musik auf verschiedene Wünsche und Vorlieben eingehen
- Auch wenn das aktuelle Lieblingslied ihres Kindes nicht ihr eigenes Lieblingslied ist, ist es wichtig auf alle Wünsche einzugehen
- Durch Musik ihren gemeinsamen Alltag strukturieren
- Sie können am Abend einen Weck Song auswählen, mit dem das Kind in den Tag starten möchte.
- Sie können Aufräumsongs aussuchen, mit denen Zimmer aufräumen etwas mehr Spaß machen kann
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Geben Sie ihm verschiedene Instrumente (Xylofon, Trommeln) und hören sie zu, was es damit anstellt
Diese Ideen sind ähnlich zu denen, die auch bereits auf den anderen Seiten stehen, wichtig ist hierbei, dass Sie diese Dinge gemeinsam tun. Es ist eine Möglichkeit für Sie gemeinsame Kernerinnerungen zu schaffen.