Musik & Kleinkinder (persönliche Entwicklung)
Musik & Kleinkindern (persönliche Entwicklung)

Musik fördert die Entwicklung von Kleinkindern in ihrer Persönlichkeit


Mit Musik kann man nicht früh genug anfangen. Singen, Summen, Tanzen und Trommeln hat kein Mindestalter und damit kann auch nie etwas schieflaufen. Viele Kindergärten singen besonders zu Festtagen wie Sankt Martin oder Nikolaus mit ihren Gruppen Lieder, die Geschichten erzählen und nachgespielt werden können. Diese Musik in ihrem Leben zu haben ist eine scheinbar einfache Sache, bietet in ihrem späteren Leben eine große Stütze und Halt. Was Musik alles für die Entwicklung von Kindern tut, erfahren auf dieser Seite.


Musik fördert verschiedene Bereiche der kindlichen Entwicklung, besonders aber die Persönlichkeit. Diese Entwicklung bezieht sich auf 4 einzelne Teilbereiche:

  1. Kognitive Entwicklung
  2. Sprachentwicklung
  3. Motorische Entwicklung
  4. Emotionale Entwicklung



1. Kognitive Entwicklung

Musik fördert die Entwicklung von Kindergehirnen erwiesenermaßen erheblich und hat einen Effekt, der ihnen einen großen Vorsprung für das ganze Leben bietet. Es ist durch zahlreiche Studien bewiesen worden, dass Kinder, die früh und regelmäßig in den Kontakt mit Musik gekommen sind, einen höheren IQ haben, da Musik verschiedenste Bereiche des Gehirns anspricht. Mit kognitiver Entwicklung ist jetzt speziell die Wahrnehmung, die Merkfähigkeit, die Konzentrationsfähigkeit, die kognitive Flexibilität und die Kreativität gemeint. Aber was genau passiert da denn?

Die Wahrnehmung bezieht sich gerade logischerweise auf die auditive Wahrnehmung, also die Ohren. Musik wird gehört und dann im Kopf weiterverarbeitet. Deswegen ist es besonders gut, Kindern auch mal verschiedene Genres vorzuspielen, da sie ihren klanglichen Horizont somit sehr früh ausbreiten können und ihnen viel mehr Dinge nicht mehr fremd vorkommen. Damit ist auch gemeint, Musik aus verschiedenen Erdregionen zu hören.

Wenn Kinder jetzt die Musik gehört haben und sie toll finden, brauchen sie schnell den nächsten Punkt: Die Merkfähigkeit. Sie wollen sich Melodien und Texte schnell merken, weil sie beispielweise mitsingen wollen. Je schneller Kinder anfangen, sich einfache Sachen zu merken, desto leichter fällt es den Kindern dann im späteren Leben Sachen im Kopf zu behalten.

Um sich aber auch Sachen merken zu können, müssen sich Kinder noch sehr konzentrieren. Um diese Konzentrationsfähigkeit weiter zu unterstützen hat man die Möglichkeit, dem Kind ab einem bestimmten Alter an einer Musikschule anzumelden, sodass es ein Instrument erlernen kann. Bei einem Instrument muss sich ebenfalls konzentriert werden um sich Griffe, Haltung und Töne zu merken. Das wirkt alles sehr kompliziert am Anfang, hat aber schnelle Lernerfolge auf dem Weg. Ein beliebtes Einstiegs-Instrument ist da meist die Sopran-Blockflöte, weil es sehr einfach ist mit ihr einen Ton zu spielen und die Griffe sehr leicht sind. Viele Kinder wechseln aber nach ca. 2 Jahren auf ein anderes Instrument, dass mehr in ihrem Interessenbereich liegt, aber mit der Blockflöte wurde bereits der Grundstein gesetzt. Viele Musikschulen bieten sogenannte musikalische Grundausbildungskurse in der 1.-2. Klasse an, bei der mit einer Blockflöte die ersten Noten gelernt werden und einfach Lieder gespielt werden. Bei Kindern und Instrumenten ist es aber essenziell, darauf zu achten, ob das Kind wirklich Lust auf das Instrument hat oder nicht. Sie dürfen nicht gezwungen werden, dass Instrument zu spielen. Ansonsten wird die Musik und das eigene Musik machen mit Zwang und negativen Emotionen verknüpft, was es zu vermeiden gilt.

Kognitive Flexibilität bezeichnet die Fähigkeit des Gehirns sich schnell auf neue Dinge einstellen zu können, damit umgehen zu können, wenn sich Dinge ändern und plötzlich auftretende Probleme zu lösen. Außerdem unterstützt kognitive Flexibilität auch beim Umgang mit Emotionen und beim Bilden von Beziehungen. Musik kann hier einen Vorteil bieten, wenn die kognitive Flexibilität durch verschiedene Rhythmen, Klänge und Muster immer wieder ausgetestet wird. Wie schnell kann sich das Kind einem neuen Rhythmus oder Tempo anpassen? Wie reagiert es auf Musik, die ganz andere Instrumente verwendet als alles vorher bekannte?

Kreativität ist ein wichtiger Teil der Persönlichkeit eines jeden Menschen, deswegen muss man sie in der frühen Kindheit auch besonders fördern. Kreativität ist ebenfalls Teil der kognitiven Flexibilität, da manche Probleme einer kreativen Lösung bedürfen. Mit Musik kreativ zu werden ist sehr einfach und kann einen wichtigen Zusatz bilden.

Wie genau können Sie jetzt die kognitive Entwicklung von Ihren Kindern unterstützen?
Sie können:

  • Klanglandschaften bilden
    • Gegenstände suchen die bestimmte Geräusche machen, wie z. B. Töpfe und damit verschiedene Geräuschkulissen nachbilden wie z. B. eine Straße
  • Viel ausprobieren
    • Lassen Sie ihr Kind verschiedene Instrumente ausprobieren, hören Sie verschiedene Musik und lassen Sie dem Kind Freiraum selber zu entscheiden, was es mit Musik tun möchte
  • Musik, Tanz und Singen
    • Drehen Sie manchmal einfach die Musik auf und tanzen dann eine Runde gemeinsam oder Singen Sie gemeinsam vor dem Schlafen gehen. Das muss nicht lange dauern und ist nicht schwer, aber sehr wichtig



2. Sprachentwicklung

Kinderlieder sind meist sprachlich sehr einfach gehalten, sodass Kinder sich die Texte leicht merken können und mitsingen können. Das liegt daran, dass Kinder ihre Zeit brauchen um den deutschen Syntax, also die Satzstruktur, kennenzulernen und entsprechend zu variieren. Dazu kommt ihr eher eingeschränkter Wortschatz, der sich erst bilden muss. Musik kann auch hier unterstützen und den Horizont erweitern.

Musik besteht aus Melodien und gibt Kinder damit auch ein besseres Gefühl von Sprachmelodien und -Rhythmus, wie beispielsweise das Hochgehen der Stimme, um eine Frage zu signalisieren. Solche Dinge fallen unter die prosodische Kompetenz. Prosodie bezeichnet Dinge, die einer Aussage neben der gesagten Wörter einen Ausdruck verleihen, wie eben Intonation, Melodie und der Rhythmus. Wenn Sie sich ein wenig mit Musik auskennen, dann wissen Sie, dass diese Begriffe ebenso in der Musik eine Rolle spielen. Dafür muss nicht einmal gesungen werden. Um diese Kompetenz also auszureifen, ist die Musik wunderbar gegeben, weil sie dieselben Kompetenzfelder abdeckt.

Einzelne Worte im allgemeinen Sprachfluss zu verstehen ist für Kinder am Anfang auch eher schwer und kann durch Musik und Kinderlieder unterstützt werden. Kinderlieder leben von vielen Wiederholungen, so haben Kinder oft die Möglichkeit die Wörter zu erkennen. Dabei werden viele neuronale Verbindungen geschaffen zwischen den beiden Gehirnhälften (aktives Zuhören, Merkfähigkeit). Dazu wird das serielle Denken und das phonologische Bewusstsein gestärkt. Beim seriellen Denken werden Informationen in fester Reihenfolge abgerufen, bzw. Verarbeitet und das phonologische Bewusstsein bezeichnet die Fähigkeit, Laute von der Sprach loszulösen und zu verändern. Beim Singen liegt ein verstärkter Fokus auf der aktiven Nutzung der Aritkulationswerkzeuge, was es Kindern erleichtert diese zu erlernen und sich zu Nutze zu machen.

Was können Sie tun, um die Sprachentwicklung Ihres Kindes zu unterstützen?
Sie können:

  • Die Musik laut aufdrehen und mit Ihrem Kind singen
  • Ihrem Kind vor dem Schlafen ein Schlaflied vorsingen
  • Mit Ihrem Kind Klatschspiele mit Sprechgesang machen (dies fördert auch die Motorik)
    • z.B.: Bei Müllers hat's gebrannt



3. Motorische Entwicklung

Motorik bezeichnet die Fähigkeit eines Menschen Gegenstände, Tiere oder Menschen selbstständig zu bewegen. Bei Gegenständen handelt es sich meist um die Nutzung der Hände. Bei der Motorik wird unterschieden zwischen der Feinmotorik und der Grobmotorik. Grobmotorik umschließt dabei die Nutzung von großen Muskelgruppen für Dinge wie Gehen, Springen und das Körpergleichgewicht. Bewegungen die nur kleine Muskelgruppen beanspruchen und nicht viel Kraft benötigen gehören zu der Feinmotorik. Wenn Kinder im ersten Lebensjahr laufen lernen, dann trainieren sie z. B. ihre Grobmotorik. Musik kann bei der Entwicklung der motorischen Fähigkeiten unterstützen, sowohl in der Grob- als auch in der Feinmotorik.

Besonders effektiv ist für die Entwicklung der Grobmotorik, das Tanzen bzw. rhythmisches Bewegen. Beim Tanzen werden besonders auch der Gleichgewichtssinn angesprochen und sind vor allem beim Bewegen besonders wichtig. Dazu muss man sich beim Tanzen räumlich orientieren, was den Orientierungssinn sowie das räumliche Sehen verbessert. Und währenddessen haben die Kinder meist total Spaß, wenn Sie mit Ihnen zusammen tanzen und physisch austoben.

Wenn sie etwas mehr Fokus auf die Entwicklung der Feinmotorik setzten, wollen dann sind tatsächlich Instrumente der einfachste Weg. Dass das Instrument altersgerecht gewählt ist, ist natürlich besonders wichtig, aber bereits mit einem kleinen Spiel-Xylofon kann ein Kind selbst Musik machen und das präzise Schlagen üben. Die Geräuschkulisse ist am Anfang dann aber nicht zwingend so schön wie man es sich erhofft. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der regelmäßigen Wiederholung. Stichwort Wiederholung, besonders wenn das Kind etwas älter ist und schon ein anspruchsvolleres Instrument wie zum Beispiel die Geige, erlernt muss natürlich geübt werden. Das Instrument wird so schneller erlernt und es können die ersten Lernerfolge erzielt werden, die besonders bei ungeduldigen Kinder den Spaß am Instrument sicherstellen. Beim Spielen von Instrumente ist noch mehr als nur die Feinmotorik wichtig, und das ist die Hand-Augen-Koordination. Wenn Kinder mit dem eigenständigen Musizieren anfangen, liegt ihr Fokus noch sehr stark auf dem, was ihre Finger tun, was aber das flüssige Noten lesen, erschwert. Im Verlaufe ihrer „musikalischen Karriere“ ändert sich der Blick aber zunehmend auf die Noten und die Finger arbeiten von alleine. Das ist das Resultat von funktionierender Hand-Augen-Koordination. Die Information, die die Augen wahrnehmen werden, sofort an die Finger weitergleitet und es kann musiziert werden.

Ein Zusatzpunkt, der nicht direkt in den Bereich der Motorik fällt, ist die sonstigen Auswirkungen auf den Körper. Im Instrumentalunterricht und beim Üben zuhause entwickeln die Kinder einen besseres Bewusstsein für ihren Körper und ihre Körperhaltung.

Was können Sie denn tun, um die motorische Entwicklung Ihres Kindes zu unterstützen?
Sie können:

  • Finger- und Handbewegungen zu Musik tanzen
    • Klatschen, schnipsen
  • Mit altersgerechten Instrumenten spielen
    • z. B.: Rasseln oder Spielxylofone
      • diese müssen nicht teuer oder aufwendig sein. Die Hauptsache ist, dass Ihr Kind kann Dinge ausprobieren
  • Tanz- und Bewegungsspiele spielen
    • Wie Simon sagt oder Stopptanz

Wichtig ist, dass Sie altersgerechte Spiele wählen, mit denen Ihr Kind ohne Zwang ausprobieren kann und sich selbst entscheiden kann, was es tun möchte. Also lassen Sie ihrem Kind Zeit sich zu entwickeln.



4. Emotionale Entwicklung

Menschen haben alle sehr individuelle Ansätze, um mit ihren Emotionen umzugehen und verschiedene Situationen zu verarbeiten. Viele tendieren in ihrer Kompensation zu verschiedensten Kunst-Formen, darunter auch die Musik. Das Schöne an der Musik ist, dass das Können gar nicht groß sein muss, um sich Frust oder Freude von der Seele zu spielen. Es braucht dafür gar nicht viel. Gelten tut dies natürlich auch für Kinder. Babys und Kleinkinder müssen den Umgang mit ihren Emotionen erstmal erlernen. Sie müssen lernen, was sie fühlen, wie sie mit Momenten großer Emotionen umgehen und sich dann selber regulieren können. Das passiert auch nicht über Nacht, sondern muss lange vom Umfeld vorgelebt und unterstützt werden. Musik kann auch hierbei eine große Unterstützung darstellen, da Sie verschiedene Bereiche der Regulierung abdecken kann.

Musik kann ganz verschiedene Emotionen überbringen. Zum Beispiel trieft Tschaikowskys „Pas de deux“ aus dem Nussknacker nur vor Traurigkeit, während der Radetzky Marsch von Johann Strauß das Witzige Gegenstück dazu bildet. Auf diese musikalischen Umstände können Sie mit ihrem Kind eingehen und anhand dessen Gefühle kennenlernen, bzw. bestimmen. Außerdem kann Musik auch gut ablenken oder beruhigen. Es gibt Playlists auf dem Musikanbieter Ihrer Wahl, von Musik, die wenig stimulierend wirkt und so helfen kann besonders aufgeregte Kinder zu beruhigen. Wenn Ihr Kind selber Musik macht, also ein Instrument spielt oder regemäßig singen kann, hilft dies auch dem Kind seine Emotionen auszudrücken. Musik als Ventil für angestaute Emotionen zu verwenden ist kein Privileg, dass nur den Profis vorenthalten ist. Es kann vor allem dann helfen, wenn die Kinder noch keinen stark ausgeprägten Wortschatz haben und somit sonst Probleme haben ihre Gefühle auszudrücken. Musik lebt von Gefühlen und so ist auch dafür kein besonders großes Können oder ein ausgereifter Wortschatz nötig.

Schlaflieder sind ein wiederkehrendes Thema, wenn es um Kinder und Musik geht, aber besonders vor dem Schlafen kann ein musikalisches Abendritual sehr nützlich sein. Es kann als Bindungsmoment genutzt werden, und Stress reduzieren. Denn, wenn immer vor dem Schlafengehen dasselbe Lied gesunden wird, dann assoziiert das Kind es schnell mit dem zur Ruhe kommen, was zum Schlafen helfen kann.

Emotionsregulation ist ein besonders großes Thema bei Kindern und Musik kann dabei unterstützen. Ein bekanntes Lied beruhigt schnell, und das in jedem Alter - auch bereits bei Neugeborenen (mehr dazu auf Seite 1 – Musik bei Ungeborenen). Dazu können Kinder dann lernen ihre Emotionen durch Musik auszudrücken und es als weiteres Kommunikationsmedium nutzen. Das alles muss von einem Erwachsenen „betreut“ werden und kann das Co-Regulieren durch Bezugspersonen nicht ersetzten, aber eben unterstützen.

Was können Sie also tun, um die emotionalen Fähigkeiten Ihres Kindes mit Musik zu unterstützen?
Sie können:

  • Schlaflieder zu einer Abendroutine machen
  • Musik in Zeiten von emotionaler Reizung als Stütze anbieten
  • Emotionen/Gefühle mit Musik in Kontakt bringen



Zusatz: Mündigkeit und Kompetenzen

Der Pädagoge Heinrich Roth hat eine Theorie aufgestellt, nach welcher man urteilen kann, wann ein Mensch pädagogisch mündig ist. Er teilt dabei die menschlichen Fähigkeiten in drei Kompetenzbereiche: Selbstkompetenz, Sozialkompetenz und die Sachkompetenz. Die Selbstkompetenz beschreibt die Fähigkeit mit sich selber und Dinge, die man selber verändern kann, umzugehen. Während die Sozialkompetenz von der Fähigkeit handelt, sich in eine sozialen Gefüge zurecht zu finden, wie zum Beispiel Schule oder Arbeit. Die letzte Kompetenz, die Sachkompetenz, ist daher selbsterklären, denn sie handelt von der Fähigkeit mit Informationen umzugehen. Diese Kompetenzbildung lässt sich durch Musik unterstützen. Der Abschnitt über die Emotionale Entwicklung handelt primär von der Selbstkompetenz, aber auch die Sozialkompetenz findet sich wieder. In Orchestren oder sonstigen musikalischen Ensembles spielt man nicht mehr alleine für sich, sondern gemeinsam, um ein Gesamtprodukt zu erzielen. Dabei kommt es auf Teamwork und Kooperation an, ebenso wie Feingefühl und ein offenes Ohr den anderen gegenüber. Man muss hören, was die anderen tun und sich anpassen, aber auch selber Führung übernehmen. Man muss sich dem Tempo anderer anpassen und gemeinsam geduldig arbeiten können. Musik von einem Orchester ist mehr als nur einzelne Personen, die ihre Stimmen spielen und dann wirkt es irgendwie zusammen. Diese Erfahrung als Kind zu machen, kann sehr wertvoll für sie sein, da sie sich einer Gruppe zugehörig fühlen und gemeinsam Musik erschaffen. Es fördert die sozialen Fähigkeiten ungemein, wenn mit verschiedensten Menschen und Leistungsstufen zusammengearbeitet wird. Wenn ihrem Kind also Musik Spaß macht, dann lohnt es sich auch, ein Orchester oder ein Ensemble zu finden, in dem es mitwirken kann.


Website von Maren Bischoff
Projekt für PA-GK1-E_2025/26
Die Auswirkung von Musik auf die Entwicklung von Babies/Kleinkindern